Chief Business Officer Philipp Schindler brachte die aktuelle Dynamik direkt zum Start auf den Punkt: „Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass wir allein im letzten Jahr Innovationen im Wert von einem ganzen Jahrzehnt auf den Weg gebracht haben.“
Für alle, die das Google-Universum täglich im Blick behalten, waren viele Ankündigungen zwar keine totale Überraschung mehr, wohl aber die finale Bestätigung, wohin die Reise geht. Hier ist der kompakte Überblick über die echten Gamechanger der Konferenz.
1. Das Gemini-Fundament: Googles Milliarden-Wette
Hinter den Kulissen lässt sich Google die KI-Infrastruktur massiv etwas kosten. Laut Schindler klettern die Investitionen in diesem Jahr auf schwindelerregende 180 bis 190 Milliarden US-Dollar (2022 waren es noch 31 Milliarden). Google will die absolute Kontrolle über die gesamte Kette – von den eigenen KI-Chips bis zur fertigen Werbeplattform.

Dass sich das Suchverhalten der Nutzer dadurch radikal verändert, zeigen die neuesten Zahlen:
- AI Overviews erreichen mittlerweile monatlich über 2,5 Milliarden aktive Nutzer.
- Der AI Mode (erst vor rund einem Jahr gestartet) hat die Marke von 1 Milliarde monatlichen Nutzern geknackt. Suchen im AI Mode dauern im Schnitt dreimal länger als die klassische Google-Suche.
- Sogenannte „Brainstorming-Suchen“ (Fragen, die mit „Ideen für...“ oder „Welches...“ beginnen) wachsen sogar 30 % schneller als der restliche KI-Suchverkehr.
Passend dazu wurde das Suchfeld komplett umgestaltet, um längere Beschreibungen und Bilder (multimodaler Input) direkt zu verarbeiten.
2. Die besten Ads sind Antworten: Neue Formate für die KI-Suche
Vidhya Srinivasan (VP & GM für Google Ads) leitete den Suchmaschinen-Part mit einem klaren Leitsatz ein: „Jetzt kann man Google alles fragen – also müssen die besten Anzeigen direkte Antworten sein.“ Das bedeutet im Klartext: Google klatscht nicht mehr einfach Standard-Textanzeigen in den Chatverlauf. Die Anzeigentexte werden stattdessen in Echtzeit dynamisch generiert – exakt passend zur Frage des Nutzers und der darüberstehenden KI-Antwort.
Die neuen Formate im Überblick:
- Conversational Ads: Anzeigen, die sich wie ein natürlicher Teil des Chatverlaufs im AI Mode anfühlen.
- Direct Offers: Exklusive Rabatte, die genau im Moment der Kaufabsicht aufploppen.
- AI Shopping Ads: Produktanzeigen, die von Gemini geschriebene Feature-Zusammenfassungen enthalten.
- Business Agent for Leads: Ein extrem spannendes Format, bei dem potenzielle Kunden direkt in der Anzeige Fragen stellen können. Die Antworten zieht sich die KI in Echtzeit von der Website des Werbetreibenden (wird aktuell in den Branchen Bildung, Immobilien und Automotive getestet).
Das endgültige Aus für klassische Keywords
Um in diesen neuen Formaten überhaupt noch stattzufinden, führt an AI Max für die Suche oder Performance Max mit Textanpassung kein Weg mehr vorbei. Srinivasan stellte unmissverständlich klar: „Keywords auswählen war gestern.“ Das hat eine harte Konsequenz: Im September 2026 werden alle Dynamic Search Ads (DSA) automatisch auf AI Max umgestellt. In der PPC-Community sorgt das durchaus für Bauchschmerzen. Erste Praxisberichte zeigen nämlich, dass AI Max spezifische Produktanfragen gerne mal auf allgemeine Landingpages leitet – also genau das Gegenteil von dem tut, was die alte DSA eigentlich zuverlässig gelöst hat. Google hält mit eigenen Zahlen dagegen und spricht von durchschnittlich 15 % mehr Conversions bei ähnlichem ROAS.
Mehr Kontrolle durch „AI Brief“
Weil Automatisierung zwar Reichweite bringt, Marken in sensiblen Branchen aber oft die Schweißperlen auf die Stirn treibt, führt Google das Tool AI Brief ein. Wie bei einer echten Agentur füttert man das System hier mit Markenrichtlinien, Zielgruppen und klaren Verboten in natürlicher Sprache. Die KI baut daraus die passenden Leitplanken (Guardrails) für die Kampagnen.
3. Agentic Commerce: Der händlerübergreifende Warenkorb kommt
Anfang des Jahres hat Google das Universal Commerce Protocol (UCP) gestartet – einen offenen Standard, an dem Schwergewichte wie Shopify, Walmart und Target mitschreiben. Jetzt haben sich auch Amazon, Meta und Microsoft angeschlossen.
Das direkte Ergebnis für Konsumenten ist der neue Universal Cart:
- Ein universeller, händlerübergreifender Warenkorb.
- Nutzer können Produkte aus völlig unterschiedlichen Shops (z. B. Nike und Wayfair) an einem einzigen Ort sammeln, Preise überwachen und den Checkout direkt auf Google via Google Pay abschließen.
Der Rollout ist in den USA bereits gestartet. Die Integration in die Gemini-App, YouTube und Gmail folgt im Sommer; danach kommen Kanada, Australien und Großbritannien an die Reihe.
4. YouTube: Voller Fokus auf Performance

YouTube soll endgültig das Image des reinen Branding-Kanals ablegen. Die Argumente dafür lieferte Nicky Rettke (Ads Product Lead bei YouTube): 45 % der YouTube Shorts-Zuschauer nutzen kein TikTok und 65 % schauen keine Instagram Reels. Wer Demand Gen-Kampagnen mit der Suche und PMax kombiniert, sieht laut Google im Schnitt einen um 10 % höheren ROAS.
Die wichtigsten Updates für Demand Gen:
- Google Maps Integration: Demand Gen-Anzeigen laufen künftig auch auf Google Maps.
- Pause Ads & Tablets: Produkt-Feeds werden auf Tablets ausgeweitet und spielen nun auch in den neuen Pausen-Anzeigen auf Mobilgeräten aus.
- Creator Partnerships Boost: Direkt im Kampagnen-Setup lassen sich organische Videos von Creator-Partnern in bezahlte Werbemittel umwandeln (sorgt laut Google für stolze +20 % Conversion-Lift).
- Campaign-Type Attribution: Ein neues Attributionsmodell schlüsselt exakt auf, was Demand Gen wirklich beigetragen hat – ein lang ersehntes Feature für den direkten Vergleich mit Social-Plattformen.


