Wenn du in dein Google Ads Konto schaust, siehst du Zahlen. Klicks, Impressionen, Kosten. Aber siehst du auch, was wirklich passiert?
Die Realität in den meisten Accounts, die wir auditieren, ist ernüchternd: 30 bis 50 Prozent des Budgets verpuffen. Nicht, weil das Produkt schlecht ist oder der Markt nicht existiert. Sondern weil das Konto auf "Standardeinstellungen" läuft. Und die Standardeinstellungen von Google haben ein primäres Ziel: Das Budget vollständig auszugeben. Dein Ziel hingegen ist der Gewinn. Das ist ein Interessenkonflikt, den wir lösen müssen.
Dieser Artikel ist kein oberflächlicher Ratgeber. Er ist eine tiefgehende Analyse der zehn teuersten Fehler, die selbst erfahrenen Marketing-Managern unterlaufen. Wir gehen weg von theoretischen "Best Practices" hin zu technischer Konfiguration und strategischer Exzellenz.
Hier ist dein Audit-Fahrplan, um aus einem Kostenfaktor einen Profit-Center zu machen.
1. Falsche oder fehlende Keyword-Recherche: Das Fundament aus Sand
Der häufigste Grund für verbranntes Geld ist nicht das Gebot, sondern die Auswahl der Keywords und deren "Match Types" (Weitgehend, Wortgruppe, Genau passend).
Das Problem: Die "Broad Match" Falle
Google drängt Nutzer dazu, die Option "Weitgehend passend" (Broad Match) zu nutzen. Das Argument: "Verpassen Sie keine Suchanfragen."
Die Realität: Wenn du Laufschuhe kaufen als Broad Match einbuchst, schaltet Google deine Anzeige vielleicht auch bei Laufschuhe reparieren anleitung oder Nike Aktienkurs. Der Kontext stimmt grob, aber die Kaufintention (User Intent) ist gleich Null. Du bezahlst für Traffic, der niemals konvertieren wird.
Die Lösung: Intent-Driven Keyword Matrix
Du musst Suchanfragen in zwei Kategorien trennen:
- Transaktional: Der Nutzer will jetzt kaufen oder einen Lead abgeben (z.B. "Agentur für Google Ads München", "Turnschuhe Größe 42 kaufen").
- Informativ: Der Nutzer recherchiert noch (z.B. "Was kostet Google Ads", "Beste Laufschuhe 2024").
Konkrete Umsetzung:
- Nutze primär [Genau passend] und "Wortgruppe" für deine leistungsstarken Kampagnen. Dies gibt dir Kontrolle.
- Nutze Broad Match nur in Kombination mit Smart Bidding (tCPA oder tROAS) und wenn du bereits über eine sehr große Datenbasis an Conversions verfügst (mindestens 30-50 pro Monat). Der Algorithmus kann dann schlechte Anfragen ausfiltern. Hast du diese Daten nicht? Finger weg von Broad Match.
2. Anzeigen nicht auf die Zielgruppe zugeschnitten: Gießkanne statt Laservisier
Ein Keyword definiert, was jemand sucht. Zielgruppen definieren, wer sucht. Viele Werbetreibende ignorieren den Tab "Zielgruppen" komplett, weil sie denken, das sei nur für Facebook Ads relevant. Ein teurer Irrtum.
Das Problem: Fehlende Bid-Modifier
Angenommen, du verkaufst Luxusuhren. Jemand sucht nach "Herrenuhr kaufen".
- Person A: 18 Jahre alt, interessiert an "Online-Games".
- Person B: 45 Jahre alt, gehört zur Zielgruppe "Luxus-Shopper".
Beide geben das gleiche Keyword ein. Aber Person B ist für dich das Zehnfache wert. Ohne Zielgruppen-Daten bietest du für beide gleich viel.
Die Lösung: "Beobachtung" vs. "Ausrichtung"
Füge deinen Suchkampagnen relevante Zielgruppen hinzu (z.B. "Kaufbereite Zielgruppen", "Demografische Merkmale").
Wichtig ist die Einstellung: Stelle dies auf Beobachtung (Observation). Das schränkt die Reichweite nicht ein, sammelt aber Daten.
Nach einigen Wochen wirst du sehen: "Aha, die Zielgruppe 'Luxus-Shopper' hat eine Conversion-Rate von 5%, der Durchschnitt nur 1%."
Action: Setze eine Gebotsanpassung von +50% für diese Zielgruppe. So gewinnst du die wertvollen Auktionen aggressiver, ohne Reichweite bei anderen zu verlieren.
3. Chaotische Anzeigengruppenstruktur: Relevanz ist Währung
Wenn dein Konto aussieht wie eine Rumpelkammer – alles in einer Kiste –, zahlst du drauf.
Das Problem: Die 50-Keyword-Gruppe
Wir sehen oft Anzeigengruppen mit 30, 40 oder 50 Keywords.
Beispiel-Gruppe: "Hosen". Keywords darin: "Jeans kaufen", "Chino Hose", "kurze Shorts", "Lederhose".
Das Problem: Du kannst nur eine Anzeige pro Gruppe schreiben. Wenn jemand "Lederhose" sucht und deine Anzeige lautet "Große Auswahl an Hosen – Jetzt Jeans kaufen", klickt niemand. Deine Klickrate (CTR) sinkt, dein Qualitätsfaktor fällt, dein Klickpreis (CPC) steigt.
Die Lösung: The Power of STAGs
Nutze STAGs (Single Topic Ad Groups). Jede Anzeigengruppe behandelt ein einziges spezifisches Thema.
- Gruppe A: "Lederhosen" -> Keywords nur zu Lederhosen -> Anzeige textet nur über Lederhosen -> Landingpage zeigt Lederhosen.
- Gruppe B: "Chinos" -> Keywords nur zu Chinos -> Anzeige textet nur über Chinos -> Landingpage zeigt Chinos.
Dies maximiert die Anzeigenrelevanz. Google belohnt hohe Relevanz mit niedrigeren Klickpreisen. Es ist mechanisch mehr Arbeit, aber der Hebel für den ROI ist enorm.
4. Kein (oder falsches) Conversion-Tracking: Blindflug mit Vollgas
Das hier ist nicht verhandelbar. Wer kein sauberes Tracking hat, sollte Google Ads sofort pausieren.
Das Problem: Vanity Metrics
Viele tracken "Seitenaufrufe" oder "Verweildauer" als Conversion. Oder sie verlassen sich auf das automatische Tracking von "Smarte Kampagnen". Das Ergebnis: Der Algorithmus optimiert darauf, dir möglichst viele Leute zu schicken, die die Seite ansehen, aber nichts kaufen.
Die Lösung: Value-Based Tracking & Enhanced Conversions
- Hartes Tracking: Tracke nur, was Geld bringt. Käufe (E-Commerce) oder abgesendete Formulare / Anrufe (Lead Gen).
- Werte übergeben: Importiere nicht nur dass gekauft wurde, sondern für wie viel. Nur so kannst du ROAS (Return on Ad Spend) Strategien nutzen.
- Enhanced Conversions (Erweiterte Conversions): In einer Welt mit immer weniger Cookies (Stichwort: Privacy Sandbox) verlierst du Daten. Enhanced Conversions senden gehashte First-Party-Daten (wie E-Mail-Adressen) datenschutzkonform an Google zurück, um Conversions zuzuordnen, die sonst verloren gingen. Dies verbessert die gemessene Performance oft um 5–10 %.
5. Unpassende Gebotsstrategie: Die Automatisierungs-Falle
Google bewirbt Smart Bidding (Klicks maximieren, Conversions maximieren) aggressiv. Aber Timing ist alles.
Das Problem: Zu früh zu schlau
Ein neuer Account hat keine Daten. Wenn du sofort "Ziel-ROAS" (tROAS) einstellst, aber der Account noch nie eine Conversion hatte, rät der Algorithmus nur. Das Ergebnis: Die Kampagne läuft entweder gar nicht an oder gibt Geld für völligen Unsinn aus.
Ebenso gefährlich: "Klicks maximieren" ohne Kostenlimit (Cost Cap). Google wird versuchen, jeden möglichen Klick zu kaufen, egal wie teuer er ist. Wir haben schon CPCs von 15 € für Keywords gesehen, die eigentlich 2 € kosten sollten, nur weil kein Limit gesetzt war.
Die Lösung: Der Strategie-Fahrplan
- Startphase: Nutze Manueller CPC (evtl. mit eCPC) oder "Klicks maximieren" mit einem strengen Gebotslimit. Ziel: Traffic auf die Seite bekommen und erste Daten sammeln.
- Wachstumsphase: Sobald du ca. 15–30 Conversions im Monat hast, wechsle auf Conversions maximieren (evtl. mit Ziel-CPA).
- Skalierungsphase: Bei stabiler Datenlage (50+ Conversions) und sauberen Werten, wechsle auf Ziel-ROAS. Jetzt kann die KI ihre Stärken ausspielen.
6. Keine Standort- und Sprachanpassung: Der "Burundi"-Effekt
Dies ist ein Einstellungsfehler, der oft versteckt im Menü "Standortoptionen" liegt.
Das Problem: "Interesse an"
Die Standardeinstellung von Google lautet: "Nutzer, die sich gerade in Ihren Zielregionen befinden oder regelmäßig dort aufhalten, ODER die Interesse daran zeigen."
Das bedeutet: Jemand in einem Land, in das du gar nicht lieferst, sucht nach deinem Produkt + "Deutschland". Google zeigt die Anzeige. Du zahlst für Klicks aus Regionen, die du logistisch nicht bedienen kannst.
Die Lösung: Präsenz ist Pflicht
Stelle die Standortoptionen um auf: "Präsenz: Nutzer, die sich gerade in Ihren Zielregionen befinden oder sich regelmäßig dort aufhalten."
Schließe zudem Länder, aus denen häufig Spam-Klicks kommen, explizit aus, wenn du dort kein Geschäft machst.
Überprüfe auch die Spracheinstellungen: Richte dich nach der Browsersprache deiner Zielkunden, nicht nur nach der Landessprache. In Deutschland haben viele Tech-affine Nutzer ihren Browser auf Englisch eingestellt. Füge also Deutsch und Englisch hinzu, solange deine Keywords deutsch sind.
7. Schlechte Landingpages: Der Bruch im Nutzerversprechen
Du kannst die beste Kampagne der Welt haben – wenn die Landingpage versagt, war alles umsonst. Google Ads bringt das Pferd zum Wasser, die Landingpage muss es zum Trinken bringen.
Das Problem: Kein Message Match
Anzeige: "Rote Nike Laufschuhe -50%". Klick -> Startseite des Onlineshops.
Der Nutzer muss jetzt suchen. Er sucht nicht. Er geht zurück zu Google (Bounce). Das ist fatal für deinen Qualitätsfaktor und dein Budget.
Die Lösung: Spezifische Landingpages & Core Web Vitals
- Message Match: Die Überschrift der Landingpage muss die Aussage der Anzeige widerspiegeln.
- Conversion-Fokus: Entferne Navigationselemente, die vom Kauf ablenken, wenn du spezielle Landingpages für Lead-Gen nutzt.
- Speed: Ladezeiten sind ein offizieller Rankingfaktor für die Anzeigenqualität. Prüfe deine Seite mit Google PageSpeed Insights. Mobil muss die Seite in unter 2,5 Sekunden "nutzbar" sein.
8. Keine A/B-Tests: Raten statt Wissen
Marketing ohne Testen ist Glücksspiel. Viele ändern einfach Anzeigentexte und hoffen, dass es besser wird. Das ist wissenschaftlich unsauber, da sich externe Faktoren (Saisonalität, Wettbewerb) ändern.
Das Problem: Äpfel mit Birnen vergleichen
Wenn du im Januar Anzeige A laufen lässt und im Februar Anzeige B, und B performt besser – lag es an der Anzeige oder daran, dass im Februar mehr Leute Geld haben? Du weißt es nicht.
Die Lösung: Die "Entwürfe & Tests" Funktion
Nutze die native Experiment-Funktion von Google Ads.
- Erstelle einen Entwurf deiner Kampagne mit einer Änderung (z.B. neue Bidding-Strategie oder komplett neue Creatives).
- Lasse das Experiment als 50/50 Split gegen die Originalkampagne laufen.
- Warte auf statistische Signifikanz. Beende den Test nicht nach 2 Tagen. Du brauchst Daten.
- Teste vor allem Responsive Search Ads (RSAs): Pinne Headlines an Position 1 vs. lasse Google rotieren. Was bringt mehr Conversions?
9. Ignorieren negativer Keywords: Die vergessene Firewall
Du bezahlst für das, was angeklickt wird. Aber du steuerst die Profitabilität darüber, was nicht angeklickt wird.
Das Problem: Streuverluste
Ohne negative Keywords (auszuschließende Suchbegriffe) erscheinst du bei Suchen wie:
- "Dein Produkt kostenlos"
- "Dein Produkt gebraucht"
- "Dein Produkt wikipedia"
- "Dein Produkt Job"
Wer "gratis" sucht, wird nicht kaufen. Klicks hierauf sind reine Geldverschwendung.
Die Lösung: Proaktives und Reaktives Ausschließen
- Listen anlegen: Erstelle globale Listen für "Sparfüchse" (gratis, billig, umsonst), "Recherche" (Wiki, Bedeutung, Definition) und "Karriere" (Job, Gehalt, Ausbildung) und wende sie auf alle Kampagnen an.
- Suchbegriff-Bericht (Search Term Report): Dies ist dein wichtigstes wöchentliches To-Do. Gehe durch die Liste der tatsächlichen Suchbegriffe, die deine Anzeigen ausgelöst haben. Schließe alles aus, was irrelevant ist. Dies "trainiert" dein Konto auf Effizienz.
10. Fehlende Kampagnen-Optimierung: Das "Set and Forget" Märchen
Google Ads ist kein Immobilien-Investment, das man kauft und liegen lässt. Es ist eher wie ein Formel-1-Wagen, der ständig Telemetrie-Daten liefert und feinjustiert werden muss.
Das Problem: Qualitätsfaktor-Erosion
Wer nichts tut, wird überholt. Wettbewerber optimieren ihre Anzeigen, Google ändert den Algorithmus. Wenn dein Qualitätsfaktor (Quality Score, QS) sinkt, zahlst du mehr.
Die Formel für den Anzeigenrang (Ad Rank) ist vereinfacht:
$$Ad Rank = CPC \text{ Gebot} \times Quality Score$$
Das bedeutet: Wenn dein QS von 10 auf 5 fällt, musst du doppelt so viel bieten, um die gleiche Position zu halten.
Die Lösung: Die Optimierungs-Routine
Etabliere feste Routinen:
- Wöchentlich: Suchbegriffe prüfen, Negative Keywords hinzufügen, Budget-Pacing prüfen.
- Monatlich: Anzeigentexte analysieren (Low-Performer pausieren, neue Varianten testen), Zielgruppen-Bid-Modifier anpassen, Keyword-Gebote prüfen (falls manuell).
- Quartalsweise: Strategische Neuausrichtung. Passen die Kampagnenziele noch zu den Unternehmenszielen? Neue Landingpages testen.
Fazit: Daten schlagen Bauchgefühl
Die Behebung dieser 10 Fehler ist oft der Unterschied zwischen einer Kampagne, die Geld verbrennt, und einer, die das Unternehmen skaliert. Google Ads ist ein mächtiges Werkzeug, aber es erfordert Präzision. Wer die Standardeinstellungen verlässt und die technische Kontrolle übernimmt, wird belohnt – mit höherem ROAS, besseren Leads und weniger verschwendetem Budget.
Was ist dein nächster Schritt?
Es ist schwer, den eigenen Account objektiv zu beurteilen, wenn man täglich darin arbeitet. Möchtest du, dass wir diese 10 Punkte in deinem Account überprüfen? Wir bieten bei UnitedAds aktuell einen unverbindlichen Account-Audit an, bei dem wir genau diese Schwachstellen aufdecken. Melde dich bei uns, und wir schauen unter die Haube.
