Agentic Commerce B2B Playbook
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    Agentic Commerce B2B Playbook

    Alex Sperber5 Min. Lesezeit

    Viele B2B-Marketer glauben noch:

    „Agentic Commerce ist ein B2C-Thema. Unsere Deals sind zu komplex.“

    Das ist eine gefährliche Fehleinschätzung.

    Denn was sich gerade verändert, ist nicht der Checkout – sondern die frühe Entscheidungsphase.

    agentic commerce

    Im B2B heißt das konkret:

    • Longlists entstehen nicht mehr durch Research-Teams
    • Shortlists entstehen nicht mehr durch Google + Analysten
    • Erstgespräche finden nicht mehr im luftleeren Raum statt

    Sondern:

    LLMs strukturieren Kaufentscheidungen, bevor Sales überhaupt kontaktiert wird.

    Wenn du dort nicht auftauchst, wirst du:

    • nicht evaluiert
    • nicht verglichen
    • nicht eingeladen

    Agentic Commerce im Enterprise heißt nicht:

    „Die KI kauft für den Kunden“

    Sondern:

    „Die KI entscheidet, mit wem der Kunde überhaupt spricht.“

    Agentic Commerce im B2B: falsch verstanden, aber hochrelevant

    Im Enterprise-Kontext bedeutet Agentic Commerce:

    • KI versteht eine geschäftliche Problemstellung
    • Sie mappt diese auf Lösungskategorien
    • Sie vergleicht Anbieter anhand:
      • Funktionalität
      • Integrationsfähigkeit
      • Compliance
      • Marktvalidierung
    • Sie priorisiert Empfehlungen
    • Sie reduziert Optionen

    👉 Du konkurrierst nicht mehr um Klicks – sondern um Erwähnung.

    Und:

    Nicht erwähnt zu werden ist schlimmer als schlecht gerankt zu sein.

    Die neue B2B-Customer-Journey (vereinfacht)

    Früher:

    • Problem erkannt
    • Google
    • Analyst Reports
    • Vendor Websites
    • Sales Calls

    Heute:

    • Problem erkannt
    • „Welche Lösungen gibt es für …?“ (ChatGPT / Copilot / Gemini)
    • KI schlägt 3–5 Anbieter vor
    • Interne Abstimmung
    • Erstkontakt Sales

    80 % der Entscheidungsarchitektur entsteht vor dem ersten Call.

    Phase 1: Fundament – bist du für KI ein Enterprise-Vendor?

    Enterprise-LLMs sind konservativ.

    Sie bevorzugen:

    • Stabilität
    • Nachweisbarkeit
    • Klarheit

    Alles, was unklar ist, wird aussortiert.

    1. Vendor of Record: Ownership schlägt Flexibilität

    Im B2B bedeutet das:

    • klare rechtliche Entität
    • eindeutige Verantwortlichkeit
    • transparente Vertragsstrukturen

    Wenn dein Setup:

    • über Partnerketten verschleiert ist
    • White-Label-Konstrukte nutzt
    • Verantwortlichkeiten nicht eindeutig sind

    wirst du von Modellen nicht bevorzugt.

    KI denkt wie Procurement:

    „Wen kann ich haftbar machen?“

    2. Regionale & regulatorische Klarheit

    Enterprise-Käufer fragen:

    • Wo sitzt der Anbieter?
    • Welche Jurisdiktion?
    • Welche Datenflüsse?

    LLMs spiegeln genau diese Logik wider.

    Action:

    • klare Aussagen zu Entity-Struktur
    • Datenschutz (DSGVO, SOC2, ISO, etc.)
    • Hosting-Standorte
    • Compliance-Frameworks

    Nicht versteckt. Nicht im Footer. Sondern explizit.

    3. Zahlungs- & Vertragslogik: kein B2C-Denken

    Auch wenn kein „Checkout“ passiert:

    Agentische Systeme bewerten:

    • Vertragsmodelle
    • Abrechnungslogik
    • Skalierbarkeit
    • Enterprise-Tauglichkeit

    Unklare Pricing-Pages („Call us“) sind kein Vorteil mehr.

    KI bevorzugt:

    • transparente Preismodelle
    • klare Abgrenzungen
    • Enterprise-Tiers

    Phase 2: Dein „Produktfeed“ ist dein Lösungsmodell

    Im B2B ist der Feed kein SKU-Feed.

    Er ist:

    • deine strukturierte Problemlösungsbeschreibung

    LLMs wollen verstehen:

    • Welches Problem löst du?
    • Für wen?
    • In welchem Kontext?
    • Mit welchen Grenzen?

    Lösungstitel statt Marketingnamen

    Schlecht:

    • „NextGen AI Platform“

    Gut:

    • „Enterprise-Plattform zur Automatisierung von Rechnungsverarbeitung (SAP-integriert)“

    KI priorisiert:

    • Klarheit
    • Kontext
    • Einsatzgebiet

    Funktionale Spezifikation schlägt Vision

    Enterprise-LLMs bewerten:

    • konkrete Features
    • Integrationen
    • technische Abhängigkeiten
    • Limitierungen

    Pflichtinhalte:

    • Kernfunktionen
    • Integrationen (SAP, Salesforce, Azure, etc.)
    • API-Verfügbarkeit
    • Customization-Grenzen

    Vision gehört ins Pitch-Deck, nicht in die KI-Realität.

    Use-Cases: generisch verliert

    „Für alle Unternehmen geeignet“ ist ein Negativsignal.

    Besser:

    • „Für Banken mit hohem Dokumentenvolumen“
    • „Für SaaS-Unternehmen ab 500 MA“
    • „Für internationale Procurement-Teams“

    Je enger der Use-Case, desto höher die Empfehlungschance.

    Phase 3: Plattformen im Enterprise-Kontext

    ChatGPT: Research-Agent, kein Deal-Closer

    Im B2B ist ChatGPT:

    • kein Checkout-System
    • kein CRM-Kanal

    Aber:

    • der wichtigste Research-Assistent überhaupt

    ChatGPT entscheidet:

    • welche Anbieter genannt werden
    • wie sie eingeordnet werden
    • mit welchen Attributen

    Wenn du dort nicht korrekt beschrieben bist, musst du Sales erklären, warum du überhaupt relevant bist.

    Microsoft Copilot: der Enterprise-Hebel

    Copilot ist im B2B kritisch.

    Warum?

    • tief in Microsoft-Ökosystem integriert
    • genutzt in Outlook, Teams, Excel
    • direkt im Arbeitskontext

    Copilot-Empfehlungen beeinflussen:

    • interne Diskussionen
    • Business Cases
    • Shortlists

    Für Enterprise-Anbieter ist Copilot aktuell strategisch wichtiger als ChatGPT.

    Google (Gemini): Vergleich & Validierung

    Google bleibt relevant für:

    • Marktvergleiche
    • Anbieterlisten
    • Kategorievalidierung

    Aber:

    • weniger beratend
    • stärker datengetrieben

    Phase 4: Discovery im Enterprise – was KI wirklich liest

    LLMs lesen:

    • Whitepaper
    • Dokumentationen
    • RFP-Antworten
    • Case Studies
    • Analystenberichte

    Nicht:

    • Image-Kampagnen
    • leere Thought Leadership

    Content, der Enterprise-KI beeinflusst

    Pflichtformate:

    • Architekturdiagramme
    • Security-Dokumente
    • Implementierungsleitfäden
    • Migrationspfade
    • Integrationsbeschreibungen

    Optional:

    • ROI-Modelle
    • Business-Cases
    • TCO-Vergleiche

    Drittvalidierung: Analysten schlagen Werbung

    LLMs gewichten:

    • Gartner
    • Forrester
    • IDC
    • Fachmedien
    • Konferenz-Talks

    Nicht wegen Logos, sondern wegen externer Bestätigung.

    Phase 5: Positionierung für KI-Entscheider

    Enterprise-KI hasst:

    • Superlative
    • Marktführer-Claims
    • unklare Differenzierung

    Sie bevorzugt:

    • klare Trade-offs
    • ehrliche Einschränkungen
    • saubere Abgrenzung

    Beispiel:

    „Nicht geeignet für Echtzeit-Use-Cases unter 50 ms Latenz“

    Das erhöht Vertrauen.

    Phase 6: Wettbewerbsstrategie im Enterprise

    Commodity-Software

    • Google & Vergleichsportale
    • Preis & Skalierung
    • Effizienz

    Differenzierte Lösungen

    • ChatGPT & Copilot
    • klare Narrative
    • Experten-Content

    Neue Enterprise-Produkte

    • Analyst Briefings
    • Pilot-Kunden
    • schnelle externe Signale

    ROI-Framework für Enterprise

    Agentic-Optimierung priorisieren, wenn:

    • Deals > 50k ACV
    • komplexe Evaluierung
    • mehrere Stakeholder

    Klassisches Demand-Gen priorisieren, wenn:

    • transaktional
    • geringe Differenzierung

    Die 5 Regeln für Enterprise-Agentic-Success

    1. Nicht sichtbar = nicht evaluierbar
    2. Struktur schlägt Story
    3. Ehrlichkeit schlägt Marketing
    4. Copilot ist kritischer als gedacht
    5. Agentic Readiness ist strategisch, nicht taktisch

    Fazit für Enterprise-Leader

    Agentic Commerce im B2B bedeutet:

    Du verkaufst nicht an KI – du verkaufst in einer Welt, in der KI entscheidet, wer verkaufen darf.

    Die Unternehmen, die jetzt:

    • ihre Positionierung strukturieren
    • ihre Inhalte maschinenlesbar machen
    • ihre Differenzierung ehrlich formulieren

    werden in zwei Jahren nicht erklären müssen, warum sie auf keiner Shortlist mehr stehen.

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