Viele B2B-Marketer glauben noch:
„Agentic Commerce ist ein B2C-Thema. Unsere Deals sind zu komplex.“
Das ist eine gefährliche Fehleinschätzung.
Denn was sich gerade verändert, ist nicht der Checkout – sondern die frühe Entscheidungsphase.

Im B2B heißt das konkret:
- Longlists entstehen nicht mehr durch Research-Teams
- Shortlists entstehen nicht mehr durch Google + Analysten
- Erstgespräche finden nicht mehr im luftleeren Raum statt
Sondern:
LLMs strukturieren Kaufentscheidungen, bevor Sales überhaupt kontaktiert wird.
Wenn du dort nicht auftauchst, wirst du:
- nicht evaluiert
- nicht verglichen
- nicht eingeladen
Agentic Commerce im Enterprise heißt nicht:
„Die KI kauft für den Kunden“
Sondern:
„Die KI entscheidet, mit wem der Kunde überhaupt spricht.“
Agentic Commerce im B2B: falsch verstanden, aber hochrelevant
Im Enterprise-Kontext bedeutet Agentic Commerce:
- KI versteht eine geschäftliche Problemstellung
- Sie mappt diese auf Lösungskategorien
- Sie vergleicht Anbieter anhand:
- Funktionalität
- Integrationsfähigkeit
- Compliance
- Marktvalidierung
- Sie priorisiert Empfehlungen
- Sie reduziert Optionen
👉 Du konkurrierst nicht mehr um Klicks – sondern um Erwähnung.
Und:
Nicht erwähnt zu werden ist schlimmer als schlecht gerankt zu sein.
Die neue B2B-Customer-Journey (vereinfacht)
Früher:
- Problem erkannt
- Analyst Reports
- Vendor Websites
- Sales Calls
Heute:
- Problem erkannt
- „Welche Lösungen gibt es für …?“ (ChatGPT / Copilot / Gemini)
- KI schlägt 3–5 Anbieter vor
- Interne Abstimmung
- Erstkontakt Sales
80 % der Entscheidungsarchitektur entsteht vor dem ersten Call.
Phase 1: Fundament – bist du für KI ein Enterprise-Vendor?
Enterprise-LLMs sind konservativ.
Sie bevorzugen:
- Stabilität
- Nachweisbarkeit
- Klarheit
Alles, was unklar ist, wird aussortiert.
1. Vendor of Record: Ownership schlägt Flexibilität
Im B2B bedeutet das:
- klare rechtliche Entität
- eindeutige Verantwortlichkeit
- transparente Vertragsstrukturen
Wenn dein Setup:
- über Partnerketten verschleiert ist
- White-Label-Konstrukte nutzt
- Verantwortlichkeiten nicht eindeutig sind
wirst du von Modellen nicht bevorzugt.
KI denkt wie Procurement:
„Wen kann ich haftbar machen?“
2. Regionale & regulatorische Klarheit
Enterprise-Käufer fragen:
- Wo sitzt der Anbieter?
- Welche Jurisdiktion?
- Welche Datenflüsse?
LLMs spiegeln genau diese Logik wider.
Action:
- klare Aussagen zu Entity-Struktur
- Datenschutz (DSGVO, SOC2, ISO, etc.)
- Hosting-Standorte
- Compliance-Frameworks
Nicht versteckt. Nicht im Footer. Sondern explizit.
3. Zahlungs- & Vertragslogik: kein B2C-Denken
Auch wenn kein „Checkout“ passiert:
Agentische Systeme bewerten:
- Vertragsmodelle
- Abrechnungslogik
- Skalierbarkeit
- Enterprise-Tauglichkeit
Unklare Pricing-Pages („Call us“) sind kein Vorteil mehr.
KI bevorzugt:
- transparente Preismodelle
- klare Abgrenzungen
- Enterprise-Tiers
Phase 2: Dein „Produktfeed“ ist dein Lösungsmodell
Im B2B ist der Feed kein SKU-Feed.
Er ist:
- deine strukturierte Problemlösungsbeschreibung
LLMs wollen verstehen:
- Welches Problem löst du?
- Für wen?
- In welchem Kontext?
- Mit welchen Grenzen?
Lösungstitel statt Marketingnamen
Schlecht:
- „NextGen AI Platform“
Gut:
- „Enterprise-Plattform zur Automatisierung von Rechnungsverarbeitung (SAP-integriert)“
KI priorisiert:
- Klarheit
- Kontext
- Einsatzgebiet
Funktionale Spezifikation schlägt Vision
Enterprise-LLMs bewerten:
- konkrete Features
- Integrationen
- technische Abhängigkeiten
- Limitierungen
Pflichtinhalte:
- Kernfunktionen
- Integrationen (SAP, Salesforce, Azure, etc.)
- API-Verfügbarkeit
- Customization-Grenzen
Vision gehört ins Pitch-Deck, nicht in die KI-Realität.
Use-Cases: generisch verliert
„Für alle Unternehmen geeignet“ ist ein Negativsignal.
Besser:
- „Für Banken mit hohem Dokumentenvolumen“
- „Für SaaS-Unternehmen ab 500 MA“
- „Für internationale Procurement-Teams“
Je enger der Use-Case, desto höher die Empfehlungschance.
Phase 3: Plattformen im Enterprise-Kontext
ChatGPT: Research-Agent, kein Deal-Closer
Im B2B ist ChatGPT:
- kein Checkout-System
- kein CRM-Kanal
Aber:
- der wichtigste Research-Assistent überhaupt
ChatGPT entscheidet:
- welche Anbieter genannt werden
- wie sie eingeordnet werden
- mit welchen Attributen
Wenn du dort nicht korrekt beschrieben bist, musst du Sales erklären, warum du überhaupt relevant bist.
Microsoft Copilot: der Enterprise-Hebel
Copilot ist im B2B kritisch.
Warum?
- tief in Microsoft-Ökosystem integriert
- genutzt in Outlook, Teams, Excel
- direkt im Arbeitskontext
Copilot-Empfehlungen beeinflussen:
- interne Diskussionen
- Business Cases
- Shortlists
Für Enterprise-Anbieter ist Copilot aktuell strategisch wichtiger als ChatGPT.
Google (Gemini): Vergleich & Validierung
Google bleibt relevant für:
- Marktvergleiche
- Anbieterlisten
- Kategorievalidierung
Aber:
- weniger beratend
- stärker datengetrieben
Phase 4: Discovery im Enterprise – was KI wirklich liest
LLMs lesen:
- Whitepaper
- Dokumentationen
- RFP-Antworten
- Case Studies
- Analystenberichte
Nicht:
- Image-Kampagnen
- leere Thought Leadership
Content, der Enterprise-KI beeinflusst
Pflichtformate:
- Architekturdiagramme
- Security-Dokumente
- Implementierungsleitfäden
- Migrationspfade
- Integrationsbeschreibungen
Optional:
- ROI-Modelle
- Business-Cases
- TCO-Vergleiche
Drittvalidierung: Analysten schlagen Werbung
LLMs gewichten:
- Gartner
- Forrester
- IDC
- Fachmedien
- Konferenz-Talks
Nicht wegen Logos, sondern wegen externer Bestätigung.
Phase 5: Positionierung für KI-Entscheider
Enterprise-KI hasst:
- Superlative
- Marktführer-Claims
- unklare Differenzierung
Sie bevorzugt:
- klare Trade-offs
- ehrliche Einschränkungen
- saubere Abgrenzung
Beispiel:
„Nicht geeignet für Echtzeit-Use-Cases unter 50 ms Latenz“
Das erhöht Vertrauen.
Phase 6: Wettbewerbsstrategie im Enterprise
Commodity-Software
- Google & Vergleichsportale
- Preis & Skalierung
- Effizienz
Differenzierte Lösungen
- ChatGPT & Copilot
- klare Narrative
- Experten-Content
Neue Enterprise-Produkte
- Analyst Briefings
- Pilot-Kunden
- schnelle externe Signale
ROI-Framework für Enterprise
Agentic-Optimierung priorisieren, wenn:
- Deals > 50k ACV
- komplexe Evaluierung
- mehrere Stakeholder
Klassisches Demand-Gen priorisieren, wenn:
- transaktional
- geringe Differenzierung
Die 5 Regeln für Enterprise-Agentic-Success
- Nicht sichtbar = nicht evaluierbar
- Struktur schlägt Story
- Ehrlichkeit schlägt Marketing
- Copilot ist kritischer als gedacht
- Agentic Readiness ist strategisch, nicht taktisch
Fazit für Enterprise-Leader
Agentic Commerce im B2B bedeutet:
Du verkaufst nicht an KI – du verkaufst in einer Welt, in der KI entscheidet, wer verkaufen darf.
Die Unternehmen, die jetzt:
- ihre Positionierung strukturieren
- ihre Inhalte maschinenlesbar machen
- ihre Differenzierung ehrlich formulieren
werden in zwei Jahren nicht erklären müssen, warum sie auf keiner Shortlist mehr stehen.
