Lead Generierung für Versicherungen
    Lead Generierung
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    Lead Generierung für Versicherungen

    Alex Sperber8 Min. Lesezeit

    Das Kaltakquise-Verbot (VAG Art. 31a) hat dem klassischen Outbound-Vertrieb den Stecker gezogen.

    Die gute Nachricht: Die Kunden sind da, sie sind nur woanders. Über 60 % der Schweizer informieren sich heute online über Versicherungsprodukte, bevor sie überhaupt mit einem Menschen sprechen.

    Dieser Guide zeigt im Detail, wie du diese "Digital Natives" und wechselwilligen Versicherungskunden 2026 abholst.

    1. Die neuen Spielregeln: Compliance als Fundament

    Seit der Branchenvereinbarung «Vermittler 3.0» und der Verschärfung des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) gelten klare rote Linien:

    • Die 36-Monate-Regel: Du darfst ehemalige Kunden nur anrufen, wenn ihr Vertrag vor weniger als 3 Jahren endete. Danach sind sie "kalt" und tabu.
    • Keine "Fremd-Leads" ohne Einwilligung: Adresslisten kaufen und abtelefonieren ist illegal, sofern keine explizite Einwilligung für dein Unternehmen vorliegt.
      • Tipp: Wenn du Leads einkaufst, lass dir den "Audit Trail" (den digitalen Beweis der Einwilligung) zeigen. Ohne Zeitstempel und IP-Adresse ist der Lead wertlos und gefährlich.

    Datenschutz (nDSG) im Marketing-Alltag

    Das neue Datenschutzgesetz verlangt Transparenz. Ein verstecktes Häkchen in den AGB reicht nicht mehr.

    • Double Opt-in (DOI): Wenn sich jemand für deinen Newsletter oder einen Lead-Magneten anmeldet, schicke eine Bestätigungsmail ("Bitte klicke hier, um zu bestätigen"). Nur dieser Klick macht den Lead rechtssicher.
    • Klartext: Sag dem Kunden im Formular, wer ihn anrufen wird. "Ein Partner meldet sich" ist zu vage. "Die Muster-Versicherung ruft dich an" ist korrekt.

    2. Zielgruppen-Psychologie: Der "Röstigraben" im Online-Marketing

    Die Schweiz ist kein einheitlicher Markt. Wer in Zürich und Genf die gleiche Kampagne fährt, verbrennt Geld.

    Romandie vs. Deutschschweiz

    Daten zeigen spannende Unterschiede im digitalen Verhalten:

    • Preisdruck im Westen: In der Westschweiz sind die Krankenkassenprämien oft 20 % höher als in der Deutschschweiz (ca. 1'000 CHF mehr pro Jahr). Die Wechselbereitschaft und Preissensitivität sind dort viel höher.
    • E-Commerce-Affinität: Romands sind offener für digitales Shopping. 57 % haben schon bei Plattformen wie Temu bestellt (vs. 49 % in der Deutschschweiz).

    Marketing-Taktik:

    • Deutschschweiz: Fokus auf Qualität, Details, "Das Kleingedruckte", Sicherheit und Eigenverantwortung.
    • Romandie: Fokus auf "Community, Solidarität, Preisvorteil und einfache, schnelle digitale Abschlüsse. Hier funktionieren aggressive Social-Media-Angebote oft besser.

    3. Die Online-Kanäle im Detail

    Woher kommen die Leads 2026? Hier ist der Deep Dive in die Kanäle, die funktionieren.

    3.1 Social Media: Entertainment schlägt Werbung

    Niemand geht auf TikTok, um eine Haftpflichtversicherung zu suchen. Aber genau dort erreichst du die Leute.

    Best Practice: Smile Versicherung & R+V

    Die Direktversicherung Smile hat vorgemacht, wie man Versicherung "sexy" macht. Statt Policen zu erklären, setzen sie auf Unterhaltung und Influencer (z.B. Zeki).

    Die Strategie: Humorvolle Clips, die den Versicherungsbezug nur leicht streifen ("Fail-Videos"). Das baut Sympathie auf.

    Der Erfolg: R+V Versicherung in Deutschland nutzte TikTok für Mietkautions-Versicherungen und erzielte 33 % mehr Neuabschlüsse bei der Zielgruppe 18-25.

    Deine Checkliste für Social Media:

    • Kurzvideos (Reels/TikTok): 9:16-Format ist Pflicht. Erkläre "Selbstbehalt" in 20 Sekunden oder zeige den Alltag im Schadendienst.
    • Influencer & Creator: Arbeite mit lokalen Schweizer Creators. Sie müssen keine Finanzexperten sein – sie müssen nur vertrauenswürdig und unterhaltsam sein.
    • Ads-Formate: Nutze "Spark Ads" auf TikTok (du bewirbst organische Posts von Creators), das wirkt weniger wie Werbung und hat höhere Klickraten.

    3.2 Suchmaschinen (SEO) & Content Marketing

    Wer "Autoversicherung Vergleich" googelt, landet bei Comparis. Dort ist der Wettbewerb mörderisch. Die schlauere Strategie ist der "Longtail".

    Beantworte echte Fragen: Erstelle Blogartikel oder Landingpages zu spezifischen Problemen:

    • "Auto importieren Schweiz Zoll Kosten"
    • "Wasserschaden Mietwohnung wer zahlt"
    • "Zahnspange Kostenübernahme Krankenkasse"

    Der Vorteil: Du fängst den Kunden, bevor er Preise vergleicht. Du positionierst dich als Experte. Wer deine Checkliste zum Autoimport nutzt, schliesst die Versicherung auch eher bei dir ab.

    3.3 Suchmaschinenwerbung (SEA): Google & Bing

    Bezahlte Anzeigen (Search Engine Advertising) sind der schnellste Weg zum Lead, aber auch der teuerste. Hier musst du taktisch klug vorgehen, um dein Budget nicht zu verbrennen.

    Google Ads: Der teure Platzhirsch

    Bei Google ist die Kaufabsicht extrem hoch. Wer "Offerte Hausrat" tippt, will kaufen. Das wissen aber alle.

    Das Problem: Die Klickpreise (CPC) für generische Keywords wie "Krankenkasse" oder "Versicherung" sind in der Schweiz extrem hoch (oft über 5-10 CHF pro Klick).

    Die Lösung (Nischen-Strategie): Biete nicht auf die teuren Hauptbegriffe. Nutze spezifische Kombinationen ("Longtail"), die günstiger sind, aber eine hohe Notwendigkeit signalisieren:

    • Statt: "Rechtsschutzversicherung" (Teuer/Hart umkämpft)
    • Biete auf: "Rechtsschutz bei Kündigung durch Arbeitgeber" (Konkreter Bedarf, höhere Abschlusschance).

    Performance Max (PMax): Nutze Googles KI-gesteuerte Kampagnen für mehr Reichweite, aber Vorsicht: Du hast weniger Kontrolle darüber, wo deine Ads erscheinen. Prüfe regelmässig die Qualität der Leads.

    Microsoft Advertising (Bing): Der unterschätzte Geheimtipp

    Viele Versicherer ignorieren Bing – ein Fehler.

    • Die Zielgruppe: Bing ist auf vielen Firmen-PCs vorinstalliert. Die Nutzer sind im Schnitt älter (> 35 Jahre), haben ein höheres Einkommen und nutzen Desktop-PCs. Das ist exakt die Zielgruppe für komplexe Versicherungsprodukte und B2B-Policen.
    • Der Preisvorteil: Da die Konkurrenz schläft, sind die Klickpreise (CPCs) bei Bing oft 30-40 % günstiger als bei Google.
    • Import-Funktion: Du kannst deine Google-Kampagnen mit wenigen Klicks zu Microsoft importieren. Der Aufwand ist minimal.

    Schweizer Besonderheit:

    Denke unbedingt multilingual. Eine deutsche Kampagne funktioniert nicht in der Romandie. Übersetze nicht einfach die Keywords, sondern recherchiere das lokale Suchverhalten (z.B. suchen Romands anders nach "Krankenkasse" als Deutschschweizer nach "Grundversicherung").

    3.4 Affiliate Marketing: Vorsicht vor den "Schwarzen Schafen"

    Affiliate-Netzwerke (wie FinanceAds, Adcell) vermitteln dir Traffic von hunderten Webseiten. Du zahlst nur bei Erfolg (Cost per Lead/Sale).

    Das Risiko: Lead-Betrug. Manche Publisher nutzen Bots oder "Incentivized Traffic" (z.B. "Klicke hier für Gratis-Coins im Spiel"). Diese Leads sind wertlos.

    Die Lösung:

    • Nutze spezialisierte Netzwerke wie FinanceAds oder affiliatenetzwerk.ch, die ihre Publisher prüfen.
    • Verbiete "Incentivized Traffic" in den Partner-AGB.
    • Prüfe die Lead-Qualität (erreiche ich die Leute?) und kicke schlechte Partner sofort raus.

    3.5 B2B Lead-Gen: LinkedIn & Broker-Pools

    Im Firmenkundengeschäft läuft wenig über TikTok. Hier zählen Netzwerke.

    • Sobrado & IG B2B: Das sind die digitalen Marktplätze der Schweiz. Broker schreiben hier Risiken aus. Als Versicherer musst du hier präsent und technisch sauber angebunden sein, um an diese Ausschreibungen zu kommen.
    • LinkedIn Sales Navigator: Nutze dies für gezieltes Account-Based Marketing (ABM). Identifiziere die CFOs von KMUs und sprich sie nicht mit einem Pitch an, sondern mit Content (z.B. "Whitepaper: Cyber-Risiken für Schweizer KMU 2026").

    4. Lead Nurturing: Die Kunst der Verwandlung

    Ein Lead ist wie ein frisches Brötchen – er muss sofort verarbeitet werden, sonst wird er hart.

    Die "Golden Hour"

    Studien zeigen: Wenn du einen Online-Lead innerhalb von einer Stunde kontaktierst, ist die Abschlusschance 7x höher als nach zwei Stunden.

    Das Problem: Dein Büro ist ab 17 Uhr zu.

    Die Lösung: Marketing Automation.

    Automation-Tools (Beispiele: Aivie, Friendly Automate)

    Nutze Schweizer oder europäische Tools (Datenschutz!), um sofort zu reagieren.

    Beispiel-Workflow "Auto-Rechner Abbrecher":

    1. Trigger: Kunde gibt Daten in Rechner ein, bricht aber vor Abschluss ab (hat E-Mail schon eingetippt + Opt-in gegeben).
    2. Sofort-Mail (5 Min später): "Hoppla, ist was dazwischengekommen? Hier ist dein gespeichertes Angebot."
    3. Nachfass-Mail (24 Std später): "Brauchst du Hilfe? Hier kannst du direkt einen Termin mit Stefan buchen (Link zum Kalender)."
    4. Content-Mail (3 Tage später): "3 Tipps, wie du bei der Autoversicherung sparst (ohne Leistungen zu verlieren)."

    Lead Scoring

    Nicht jeder Lead ist gleich "heiss".

    • Müll-Lead: Hat nur eine Wegwerf-E-Mail angegeben -> Automatisch löschen.
    • Info-Lead: Hat Blogartikel gelesen und PDF geladen -> Nurturing-Kampagne (E-Mails).
    • Hot Lead: Hat Preisrechner benutzt und "Beratung wünschen" geklickt -> Sofortiger Anruf durch Vertrieb.
    • Embedded Insurance: Die Versicherung wird "unsichtbar". Du kaufst das E-Bike und klickst im Warenkorb nur "Diebstahlschutz für 5 CHF/Monat" an. Kooperationen mit E-Commerce-Shops werden wichtiger als eigene Landingpages.
    • KI im Vertrieb: KI-Tools analysieren das Gespräch (bei Einwilligung) oder die E-Mail-Historie und schlagen dem Berater in Echtzeit vor: "Der Kunde fragt nach Sicherheit – biete ihm das Paket 'Sorglos' an".
    • Video-Beratung als Standard: Der Kunde will nicht mehr, dass der Vertreter abends ins Wohnzimmer kommt. Ein Zoom/Teams-Call mit Screen-Sharing ist der neue Standard für die Beratung – effizienter und vom Kunden bevorzugt.

    Fazit: Qualität vor Quantität

    Das Giesskannen-Prinzip ist tot. 2026 gewinnt, wer:

    • Die rechtlichen Grenzen (nDSG, Kaltakquise-Verbot) respektiert.
    • Online dort präsent ist, wo die Kunden sind (Social Media, Google).
    • Leads nicht liegen lässt, sondern extrem schnell und automatisiert bearbeitet.

    Übersicht der digitalen Kanäle 2026

    KanalRelevanzKosten (CPL/CPC)QualitätGeheimtipp
    Google Ads (SEA)Sehr HochSehr HochHoch (Kaufabsicht)Auf Nischen-Keywords ("Longtail") setzen, um Kosten zu senken.
    Microsoft Ads (Bing)MittelNiedrigHoch (B2B/Vermögend)Kampagnen von Google importieren; ideal für Desktop-Nutzer.
    VergleichsportaleHochHochSehr HochFokus auf Landingpage-Optimierung nach dem Klick.
    Social Media AdsSteigendMittelMittelVideo-Content ist Pflicht für U30-Zielgruppen.
    Affiliate MarketingMittelMittelVariabelStrenge Partner-Auswahl gegen Lead-Betrug.
    SEO / ContentHochNiedrig (exkl. Zeit)HochLangfristigster Kanal für Vertrauensaufbau.

    Quellenverweise im Text beziehen sich auf die zugrundeliegende Recherche (z.B. 6 für regulatorische Details).

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