Dein Kunde denkt nicht in Kanälen. Er denkt in Bedürfnissen. Er sucht auf dem Smartphone nach „Laufschuhe Herren Größe 43“, sieht ein attraktives Angebot und will eigentlich nur eines wissen: „Kann ich die heute noch anprobieren und direkt mitnehmen?“
Genau an diesem Punkt verlieren die meisten Einzelhändler den Umsatz an reine E-Commerce-Riesen. Wenn du Lagerbestand in physischen Filialen hast, diesen aber online nicht in Echtzeit ausspielst, lässt du das größte Asset brachliegen, das du gegenüber Amazon und Co. hast: Sofortige Verfügbarkeit.
Google Local Inventory Ads (LIA) sind nicht einfach nur Anzeigen. Sie sind dein digitales Schaufenster, das den Fußverkehr in deine Läden lenkt. In diesem umfassenden Guide zerlegen wir nicht nur, warum LIA essentiell ist, sondern zeigen dir Schritt für Schritt und Strategie für Strategie, wie du dieses mächtige Werkzeug technisch und taktisch beherrschst.
Was sind Local Inventory Ads eigentlich (technisch betrachtet)?
Bevor wir in die Strategien eintauchen, müssen wir das Fundament verstehen. LIA unterscheidet sich fundamental von normalen Shopping Ads.
Während Shopping Ads auf deine E-Commerce-URL verweisen und den Versand in den Fokus rücken, basieren LIAs auf einer Synchronisation von drei Datenquellen:
- Google Merchant Center (GMC): Hier liegen deine Produktdaten.
- Google Unternehmensprofil (ehemals Google My Business): Hier liegen deine Standortdaten.
- Local Inventory Feed: Eine spezielle Datei, die Produkt-IDs mit Store-Codes, Preisen und Beständen verknüpft.
Wenn diese drei Quellen harmonieren, passiert Magie: Ein Nutzer in der Nähe deines Ladens sucht nach einem Produkt, und Google zeigt ihm nicht nur das Produktbild, sondern die Entfernung zum Laden und den Status „Auf Lager“.
Hier sind die 8 Strategien, mit denen du LIA von einem „Netter Versuch“ zu einem echten Umsatztreiber transformierst.
1. Geo-Targeting: Erhöhe Gebote für Kunden in der „Strike Zone“
Die Relevanz einer lokalen Anzeige korreliert zu 100 % mit der physischen Nähe. Ein Nutzer, der 500 Meter von deinem Laden entfernt nach „Kaffeemaschine kaufen“ sucht, hat eine exponentiell höhere Kaufabsicht (und eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Store Visit) als jemand, der 30 Kilometer entfernt ist.
Die Strategie im Detail
Google definiert den Radius für LIAs oft standardmäßig sehr weit (bis zu 30-40 Kilometer). Das ist für die Sichtbarkeit gut, für den ROAS (Return on Ad Spend) aber oft ineffizient.
Das technische Vorgehen:
Nutze die Standorterweiterung in Google Ads. Richte gestaffelte Radien um deine verknüpften Unternehmensprofile ein:
- Radius 1 (0-2 km): +50 % Gebotsanpassung. Das sind Leute, die fast „vor der Tür“ stehen.
- Radius 2 (2-10 km): +25 % Gebotsanpassung. Eine akzeptable Fahrstrecke.
- Radius 3 (10-30 km): 0 % oder leichte Reduktion, abhängig von der Einzigartigkeit deines Produkts.
Was du jetzt konkret tun kannst:
Geh in deine Google Ads Kampagne unter „Standorte“. Füge Radien um deine verknüpften Unternehmensprofile hinzu. Analysiere nach 30 Tagen die „Store Visits“ (Ladenbesuche) pro Radius. Du wirst sehen, dass die Conversion-Rate im inneren Zirkel drastisch höher ist. Passe das Budget aggressiv zugunsten der Nähe an.
2. Negative Keywords: Die Kunst des Ausschlusses
Werbebudget verbrennt am schnellsten durch Irrelevanz. Bei LIA ist dies besonders kritisch, da wir hier Nutzer mit einer lokalen Transaktionsabsicht suchen. Wer nach Informationen oder reinen Online-Dienstleistungen sucht, kostet dich Geld ohne Gegenwert.
Das Problem der generischen Suche
Nehmen wir an, du verkaufst hochwertige Lederschuhe.
- User A sucht: „Lederschuhe reparieren“
- User B sucht: „Lederschuhe Geschichte“
- User C sucht: „Herren Schnürschuhe Leder schwarz Größe 43 kaufen“ Ohne Negative Keywords zahlst du für A und B. Aber noch wichtiger: Bei LIA musst du auch E-Commerce-spezifische Begriffe ausschließen, wenn du den Fokus auf den Ladenbesuch legen willst. Begriffe wie „kostenloser Versand“, „Online Shop Vergleich“ oder „Amazon“ deuten darauf hin, dass der Nutzer nicht das Haus verlassen will.
Umsetzung in der Praxis
Pflege zwei Listen von Negativen Keywords:
- Die Standard-Liste: „Reparatur“, „Job“, „Gebraucht“, „Bilder“, „Wiki“.
- Die Sortiments-Liste: Wenn du ein Sportgeschäft hast, aber keine Fahrräder führst, muss „Fahrrad“ ausgeschlossen werden, auch wenn es thematisch passt.
Was du jetzt konkret tun kannst:
Lade dir den Suchanfragebericht (Search Query Report) der letzten 90 Tage herunter. Filtere nach Begriffen mit hohen Kosten und null Conversions. Suche spezifisch nach Begriffen, die eine Informationsabsicht statt einer Kaufabsicht haben, und setze diese auf die Ausschlussliste.
3. Datenintegrität: Integriere dein Inventar nahtlos (Der Feed-Faktor)
Dies ist der technisch anspruchsvollste, aber wichtigste Teil. Dein LIA-Listing steht und fällt mit der Qualität deines Feeds. „Integrieren“ bedeutet hier nicht nur „hochladen“, sondern „synchronisieren“.
Die Frequenz entscheidet
Ein Kunde, der online „Auf Lager“ sieht, in den Laden fährt und vor einem leeren Regal steht, ist ein verlorener Kunde – oft für immer. Er wird seinem Ärger wahrscheinlich in einer Google-Rezension Luft machen.
Best Practice für den Inventory Feed:
Google verlangt Updates. Aber einmal täglich reicht bei schnelldrehenden Konsumgütern oft nicht aus. Wenn möglich, nutze die Content API for Shopping für Echtzeit-Updates oder erhöhe die Fetch-Frequenz im Merchant Center auf das Maximum.
Attribut-Optimierung
Nutze Attribute wie availability (Verfügbarkeit) und quantity (Menge) strategisch.
- Schwellenwerte: Melde
out of stockan Google, wenn der Bestand unter 2 oder 3 fällt, nicht erst bei 0. Das puffert Bestandsfehler ab. - Sale Price: Übergib auch lokale Rabatte (
sale_price) im Feed, wenn diese nur offline gelten. Das ist ein massiver Besuchertreiber.
Was du jetzt konkret tun kannst:
Prüfe im Google Merchant Center unter „Feeds“ den Reiter „Verarbeitung“. Gibt es Warnungen zu Preis- oder Bestandsabweichungen? Richte automatisierte Regeln ein oder sprich mit deiner IT, um die Frequenz der Feed-Updates zu erhöhen.
4. Google Unternehmensprofil: Das Fundament der lokalen Sichtbarkeit
Dein Google Unternehmensprofil (GBP) ist quasi die Landingpage, bevor der Kunde überhaupt klickt. LIA-Kampagnen ziehen Informationen wie Öffnungszeiten und Adresse direkt aus dem GBP. Wenn diese Daten falsch sind, läuft die Anzeige ins Leere.
Mehr als nur Öffnungszeiten
Ein oft übersehener Faktor ist die Qualität der Fotos im Unternehmensprofil. Wenn ein Nutzer auf die LIA klickt und dann auf „Mehr zum Geschäft“ geht, muss er ein einladendes Ladenlokal sehen. Ein verpixeltes Bild der Außenfassade von 2018 schreckt ab.
Synergieeffekte nutzen
LIA pusht dein Ranking. Wenn du bezahlten Traffic auf deinen lokalen Eintrag lenkst, sendet das positive Signale an den Google-Algorithmus. Viele Einzelhändler berichten, dass nach dem Start von LIA-Kampagnen auch ihre organische Sichtbarkeit im „Local Pack“ (die Kartenergebnisse) gestiegen ist.
Was du jetzt konkret tun kannst:
Auditiere deine verknüpften Standorte.
- Sind die Öffnungszeiten aktuell (inkl. Feiertage)?
- Gibt es aktuelle Innenaufnahmen des Ladens?
- Antwortest du auf Bewertungen? Ein gepflegtes Profil erhöht die Klickrate (CTR) deiner Anzeigen massiv.
5. Lokale Landingpages: Merchant Hosted vs. Google Hosted
Hier müssen wir eine strategische Entscheidung treffen, die oft übersehen wird. Wohin leiten wir den Klick?
Option A: Google Hosted Local Storefront (GHLS)
Der Nutzer klickt und landet auf einer von Google generierten Seite, die wie ein digitales Flugblatt aussieht.
- Vorteil: Extrem einfach einzurichten, extrem schnell auf Mobilgeräten.
- Nachteil: Du hast keine Kontrolle über das Design und kein Cross-Selling-Potenzial.
Option B: Merchant Hosted Local Storefront (MHLS) – Die Profi-Variante
Der Nutzer klickt und landet auf deiner Website, aber auf einer Seite, die spezifisch den Preis und Bestand der nächstgelegenen Filiale anzeigt.
- Vorteil: Volle Kontrolle über das Branding, Möglichkeit zum Upselling („Dazu passt auch dieser Gürtel“), und – ganz wichtig – du besitzt die Nutzerdaten (Cookie/Pixel).
- Nachteil: Technisch aufwendiger. Die URL muss dynamisch sein (z.B.
?store_code=101).
Unsere Empfehlung bei UnitedAds: Wenn du die Ressourcen hast, setze auf Merchant Hosted (MHLS). Die Conversion-Rate ist meist höher, da der Nutzer bereits in deiner Markenwelt ist.
Was du jetzt konkret tun kannst:
Prüfe, ob dein Onlineshop in der Lage ist, Produktseiten basierend auf einem Standortparameter anzuzeigen. Wenn ja, beantrage im Merchant Center die Umstellung auf „Merchant Hosted Local Storefront“.
6. Analyse & Anpassung: Store Visits als Währung
Klicks und CPCs sind bei LIA nur die halbe Wahrheit. Die eigentliche Währung heißt „Store Visits“ (Ladenbesuche).
Wie Google das misst
Google nutzt aggregierte, anonymisierte Daten von Nutzern, die den Standortverlauf aktiviert haben. Durch Algorithmen wird hochgerechnet, wie viele Personen nach dem Klick auf die Anzeige tatsächlich den Laden betreten haben.
Die Analyse-Routine
Schau dir nicht nur den globalen ROAS an. Brich die Daten herunter:
- Nach Wochentag/Uhrzeit: Werden Anzeigen Samstagmorgens öfter geklickt und führen zu Besuchen? Erhöhe den Bid-Modifier für diese Zeit.
- Nach Gerätekategorie: LIA ist ein Mobile-First-Format. Wenn du Desktop-Gebote zu hoch angesetzt hast, verschwendest du Budget. 90 % des Traffics sollten mobil sein.
Was du jetzt konkret tun kannst:
Aktiviere im Google Ads Konto die Spalte „Ladenbesuche“ (falls verfügbar) und „Ladenbesuche Wert“. Weise einem Ladenbesuch einen monetären Wert zu. Die einfache Formel dafür:
Wert_{Besuch} = \text{Warenkorbwert}_{\text{Offline}} \times \text{Conversion Rate}_{\text{Offline}}
Beispiel: 50€ Warenkorb × 20% CR = Ein Ladenbesuch ist dir 10€ wert. Hinterlege dies als Conversion-Wert.
7. Conversion-Tracking: Den Omnichannel-ROAS verstehen
Viele Marketer machen den Fehler, LIA nur am E-Commerce-Umsatz zu messen. Das führt dazu, dass LIA-Kampagnen oft abgeschaltet werden, weil sie angeblich unrentabel sind. Das ist ein fataler Trugschluss.
Der ROAS-Blindspot
Ein Nutzer klickt auf die LIA für einen 1.000 € Fernseher. Er kauft ihn nicht online, sondern fährt in den Laden. Google Ads zeigt: Kosten 2 €, Umsatz 0 €. In Wahrheit: Kosten 2 €, Umsatz 1.000 €.
Die Lösung: Store Sales Direct
Für fortgeschrittene Händler bietet Google „Store Sales Direct“ an. Hierbei kannst du (datenschutzkonform und gehasht) Transaktionsdaten aus deinem Kassensystem (POS) wieder in Google Ads hochladen. Google matcht dann E-Mail-Adressen oder Telefonnummern (sofern erfasst, z.B. über Kundenkarten). Dies schließt den Kreis komplett.
Was du jetzt konkret tun kannst:
Wenn Store Sales Direct zu komplex für den Start ist, nutze zumindest Smart Bidding für Ladenbesuche. Stelle deine Gebotsstrategie auf „Maximale Conversion-Werte“ um und inkludiere den oben berechneten Wert der Ladenbesuche in die Optimierung.
8. Fulfillment-Optionen: BOPIS und Curbside als Booster
Kunden erwarten heute maximale Flexibilität. Dein Inventar muss nicht nur sichtbar, sondern auch greifbar sein.
„Später abholen“ vs. „Heute abholen“
Google bietet spezielle Badges (Kennzeichnungen) in den Anzeigen an:
- Pick up today (Heute abholen): Signalisiert sofortige Verfügbarkeit.
- Pick up later (Später abholen): Signalisiert, dass das Produkt in eine Filiale geliefert werden kann (Ship-to-Store).
Besonders mächtig ist die Funktion „Curbside Pickup“ (Abholung am Straßenrand). Auch wenn die Pandemie vorbei ist, lieben Eltern kleiner Kinder oder Menschen in Eile diesen Service. Wenn du im Feed das Attribut
pickup_methodaufcurbsidesetzt, erscheint ein kleines Auto-Icon in der Anzeige. Dies erhöht die CTR signifikant, da es Bequemlichkeit verspricht.
Was du jetzt konkret tun kannst:
Prüfe deine Logistik. Bietest du Click & Collect an? Wenn ja, stelle sicher, dass dies im Merchant Center aktiviert ist. Das Badge „Online kaufen, im Laden abholen“ hebt deine Anzeige optisch von der Konkurrenz ab, die nur reinen Versand anbietet.
Deep Dive: Warum der „Local Products Feed“ der Schlüssel zum Erfolg ist
Hier tauchen wir kurz tiefer ein, weil hier 80% der Fehler passieren.
Viele Händler versuchen, LIA mit ihrem normalen Online-Feed zu betreiben. Das funktioniert nicht. Du benötigst einen dedizierten Local Products Feed.
Dieser Feed muss zwingend folgende Spalten enthalten:
itemid: Muss exakt mit der ID im Hauptfeed übereinstimmen.store_code: Der Code deiner Filiale (muss identisch mit dem Code im Unternehmensprofil sein).price: Der Preis in DIESER Filiale (falls abweichend vom Online-Preis).quantity: Die Anzahl der Artikel in DIESER Filiale.
Pro-Tipp: Nutze das Feld instore_product_location. Wenn du hier „Gang 3, Regal 2“ einträgst, kann Google dies dem Nutzer anzeigen. Das ist Service-Level auf Gold-Standard.
Zusammenfassung
Local Inventory Ads sind mehr als nur ein Werbeformat. Sie sind die Antwort des stationären Handels auf die Bequemlichkeit des E-Commerce.
Du hast das Inventar. Du hast die Standorte. Mit LIA nutzt du diese Assets, um Kunden genau im Moment des höchsten Bedarfs („Ich will das jetzt haben“) abzufangen.
