Wie Video View, Reach und Demand Gen dein Marketing neu definieren
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    Wie Video View, Reach und Demand Gen dein Marketing neu definieren

    Grace Knorr7 Min. Lesezeit

    Du kennst das Problem: Du hast ein starkes Video-Asset. Aber der Aufwand, für jeden Nutzer die perfekte Kombination aus Format (Shorts vs. In-Stream), Gebot (CPV vs. CPM) und Frequenz zu finden, ist manuell nicht mehr leistbar. Während du noch Kampagnen-Settings justierst, hat sich das Nutzerverhalten bereits geändert.

    Die Lösung liegt in der Flucht nach vorn: Mediale Orchestrierung durch KI.

    Google hat mit Video View Campaigns (VVC), Video Reach Campaigns (VRC) und Demand Gen ein Triumvirat geschaffen, das den manuellen "Regler-Schieber" durch den strategischen "KI-Dirigenten" ersetzt. In diesem Artikel zerlegen wir diese drei Kampagnentypen, schauen tief unter die Haube der Algorithmen und zeigen dir, wie du sie zu einem Full-Funnel-Setup kombinierst, das wirklich skaliert.

    1. Die Evolution der KI-Steuerung: Von "Smart" zu "Autonom"

    Bevor wir in die einzelnen Kampagnentypen einsteigen, müssen wir verstehen, warum dieser Shift notwendig ist. Früher basierte Onlinemarketing auf starren Variablen: Keyword A passt zu Suchanfrage B.

    Bei Video- und Discovery-Formaten greift diese Logik nicht. Hier geht es um Intent (Absicht) und Kontext.

    Google AI verarbeitet heute Millionen von Signalen in Echtzeit, um vorherzusagen, ob ein Nutzer empfänglich für deine Botschaft ist. Dazu gehören:

    • Historische Daten: Was hat der Nutzer zuletzt angesehen?
    • Kontext: Befindet er sich im "Lean-back"-Modus (YouTube auf dem TV) oder im "Lean-forward"-Modus (Shorts in der U-Bahn)?
    • Device-Cluster: Wie interagiert dieser Nutzer typischerweise auf Mobile vs. Desktop?

    Die neuen Kampagnentypen sind keine "Black Box", vor der man Angst haben muss, sondern mächtige Werkzeuge, die diese Signale nutzen, um deine Geschäftsziele zu erreichen. Sie verlangen von dir aber ein Umdenken: Weg vom Mikromanagement der Gebote, hin zum strategischen Management der Assets und Ziele.

    2. Deep Dive: Video View Campaigns (VVC) – Der Engagement-Booster

    Beginnen wir in der Mitte des Funnels. Du willst, dass deine Story nicht nur gesehen, sondern konsumiert wird. Hier kommt die Video View Campaign (VVC) ins Spiel.

    Die Funktionsweise

    VVC ist darauf trainiert, die Watchtime zu maximieren. Google AI prognostiziert hierfür die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Nutzer ein Video vollständig oder zumindest über eine signifikante Dauer ansehen wird.

    Der Clou liegt im Multi-Format-Ansatz. VVC isoliert nicht. Es kombiniert:

    • Skippable In-Stream Ads: Für längeres Storytelling.
    • In-Feed Video Ads: Für die Entdeckungsphase.
    • YouTube Shorts: Für schnelle, vertikale Impulse.

    Die KI entscheidet in Millisekunden, welchem Nutzer welches Format serviert wird, um den effizientesten CPV (Cost per View) zu erzielen.

    Wann du VVC einsetzt

    VVC ist dein Werkzeug für die Consideration-Phase.

    • Produkt-Launches: Wenn Features erklärt werden müssen und 5 Sekunden nicht reichen.
    • Brand Storytelling: Wenn emotionale Bindung aufgebaut werden soll.

    Daten aus der Praxis: Interne Tests zeigen, dass VVC-Kampagnen im Vergleich zu manuellen In-Stream-Kampagnen oft 40% mehr Views zum gleichen Budget generieren, weil die KI günstige Inventar-Lücken (z.B. in Shorts) effizienter nutzt als jeder Media-Buyer.

    3. Deep Dive: Video Reach Campaigns (VRC) – Skalierung ohne Streuverlust

    Wenn dein Ziel maximale Markenbekanntheit (Awareness) ist, ist die Video Reach Campaign (VRC) das Mittel der Wahl. Hier geht es nicht primär um die Watchtime, sondern um den Kontakt.

    Die Mechanik: Reach vs. Frequency

    VRC bietet dir zwei strategische Hebel, die du kennen musst:

    • Efficient Reach: Die KI versucht, so viele einzigartige Nutzer (Unique Users) wie möglich zu erreichen. Sie nutzt dafür einen Mix aus Bumper Ads (6 Sekunden) und Skippable In-Stream Ads. Das ist ideal, um eine neue Marke oder ein breites Angebot schnell bekannt zu machen.
    • Target Frequency: Hier steuerst du gegen den Vergessen-Effekt. Du gibst der KI vor: "Ich möchte, dass Nutzer meine Ad mindestens 3-mal pro Woche sehen." Die KI optimiert die Gebote so, dass diese Frequenz erreicht wird, ohne Budget für unnötige vierte oder fünfte Kontakte zu verschwenden.

    Der Format-Mix

    Auch hier agiert die KI plattformübergreifend. Ein Nutzer sieht vielleicht morgens einen Bumper auf dem Smartphone und abends die längere In-Stream-Ad auf dem Smart TV. VRC orchestriert diese Touchpoints so, dass die Netto-Reichweite maximiert wird.

    Strategischer Tipp: Nutze VRC "Efficient Reach" als dauerhaftes "Grundrauschen" (Always-on), um deine Marke im Gedächtnis zu halten (Share of Mind), und wechsle zu "Target Frequency" während aggressiver Sales-Phasen (z.B. Black Friday), um Penetration zu erzwingen.

    4. Deep Dive: Demand Gen Campaigns – Der Social-First Angreifer

    Das ist der vielleicht spannendste Kampagnentyp, der die Lücke zwischen Social Media (Meta/TikTok) und dem Google-Universum schließt. Demand Gen ist der Nachfolger der Discovery Ads und ein reines Performance-Instrument.

    Warum Demand Gen?

    Die Customer Journey ist chaotisch. Nutzer entdecken Produkte im YouTube Feed, googeln später danach oder sehen eine Promo in Gmail. Demand Gen deckt genau diese "Entdeckungs-Oberflächen" ab:

    • YouTube (Shorts, In-Stream, Feed)
    • Discover Feed (Google App)
    • Gmail

    The Secret Sauce: Lookalike Segmente

    Hier spielt Google seine größte Karte aus: Daten. Im Gegensatz zu klassischen Social-Plattformen, die durch Tracking-Restriktionen (iOS 14+) teilweise blind geworden sind, sitzt Google auf First-Party-Daten (Suchhistorie, YouTube-Verhalten).

    Bei Demand Gen kannst du Lookalike Segmente auf Basis deiner eigenen Daten (z.B. Käuferlisten) erstellen. Die KI sucht dann im Google-Universum nach Nutzern, die ähnliche Verhaltensmuster zeigen.

    Technischer Hinweis: Du kannst den Grad der Ähnlichkeit steuern (Schmal = sehr ähnlich, aber weniger Reichweite vs. Breit = mehr Reichweite, etwas ungenauer).

    Creative-Optimierung

    Demand Gen verlangt visuelle Exzellenz. Die KI kann hier aus deinen hochgeladenen Assets (Bilder, Videos, Logos) automatisch verschiedene Varianten erstellen und testen, welche Kombination aus Bild und Text bei welcher Zielgruppe am besten konvertiert.

    5. Technischer Deep Dive: Das Zusammenspiel von Creatives und Bidding

    An dieser Stelle müssen wir technisch werden, denn hier scheitern die meisten Kampagnen. Die beste KI kann nicht performen, wenn der Input schlecht ist. Google nutzt einen Mechanismus, den wir als "Ad Strength Multiplier" verstehen müssen.

    Die Auktion gewinnt nicht mehr nur das höchste Gebot. Der Quality Score des Creatives ist entscheidend.

    Die KI analysiert deine Assets auf:

    • Visuelle Klarheit: Ist das Produkt in den ersten 3 Sekunden sichtbar?
    • Format-Abdeckung: Liefern wir 9:16 (Shorts), 1:1 (Feed) und 16:9 (In-Stream)?
    • Auditive Signale: Ist das Video auch "Sound-off" verständlich (Untertitel)?

    Die Mathematik dahinter:

    • Wenn dein Creative von der KI als "Exzellent" eingestuft wird, sinkt dein effektiver CPM, um die gleiche Auktion zu gewinnen.
    • Schlechtes Creative: Du musst 20€ CPM bieten, um sichtbar zu sein.
    • Exzellentes Creative: Du gewinnst die gleiche Impression oft schon für 12€ CPM.

    Was du tun musst:

    Füttere die KI nicht mit einem einzigen 16:9 TV-Spot. Demand Gen und VVC brauchen Vielfalt. Lade mindestens 3 Video-Varianten (unterschiedliche Hooks) und 5 Bilder hoch. Die KI übernimmt das A/B-Testing in einer Geschwindigkeit, die manuell unmöglich ist.

    6. Checkliste: Ist dein Account bereit für KI-Kampagnen?

    Bevor du morgen VVC oder Demand Gen startest, prüfe diese Voraussetzungen. Ohne diese Basisdaten fliegt die KI blind.

    VoraussetzungDetailWarum wichtig?
    Conversion TrackingEnhanced Conversions aktiviert?Die KI braucht präzise Rückmeldung, was ein "Erfolg" ist.
    Asset VielfaltMin. 1x 16:9, 1x 9:16 (Vertical), 1x 1:1Ohne Vertical Video verlierst du das Shorts-Inventar.
    LaufzeitGeduld für min. 2-4 WochenDie Lernphase ("Learning Mode") ist real. Greife in den ersten 14 Tagen nicht ein!
    Audience SignalsFirst-Party-Data (Kundenlisten) hochgeladen?Gibt der KI einen Startpunkt für Lookalikes.
    BudgetTagesbudget min. 10-15x des Ziel-CPAZu wenig Budget würgt den Lernprozess der KI ab.

    Fazit: Vom Operator zum Architekten

    Die Einführung von Video View, Video Reach und Demand Gen markiert das Ende des "Micromanagement-Zeitalters" im Google Ads Interface. Die Zeiten, in denen du manuell Kanäle ausschließt oder Cent-weise Gebote anpasst, sind vorbei.

    Das ist keine schlechte Nachricht. Es befreit dich. Deine Rolle verschiebt sich:

    • Du bist der Architekt, der die Struktur baut (Full-Funnel-Strategie).
    • Du bist der Creative Director, der sicherstellt, dass die Assets, die die KI ausspielt, erstklassig sind.
    • Du bist der Daten-Analyst, der die Business-Ziele definiert.

    Die KI ist der Motor, aber du hältst das Steuerrad. Wer diese Arbeitsteilung jetzt annimmt und seine Assets für VVC, VRC und Demand Gen optimiert, wird einen Wettbewerbsvorteil haben, der manuell nicht mehr einzuholen ist.

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